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Preisskandal bei Hetzner Online

Hetzner Online ist im Vergleich mit einigen anderen Anbietern von Root-Servern nach wie vor ziemlich gut und preiswert. Aber was aber Ende Juli 2021 die Hetzner-Kunden erreichte, ist ein gewaltiger Schlag ins Kontor. Preiserhöhungen von 102,25% bei den monatlichen Gebühren von IPv4-Adressen. Und das ist noch nicht das Ende der Fahnenstange.

IPv4-Adressen sind bei der ständig steigenden Menge an Geräten, die das Internet nutzen wollen, bereits seit zwanzig Jahren Mangelware. Also haben Unternehmen wie Hetzner Online ebenso lange bereits Zeit Anpassungen vorzunehmen, entweder indem sie die Preise für IPv4-Adressen jährlich zum Beispiel im Einklang mit der Inflationsrate anpassen, oder IPv6 gezielt in Ihren Netzen voranzutreiben. Stattdessen erreicht am 28.7.2021 die Hetzner-Kunden eine E-Mail mit diesen Inhalt

Das ist nicht der richtige Umgang mit seinem Kundenstamm, bei Neukunden macht das noch Sinn, aber nicht bei den bestehenden Kunden. Denn die haben teilweise ganze Serversysteme bei Hetzner-Online laufen, teilweise mit ganzen Subnetzen an IPv4-Adressen. Diese Kunden dürfen jetzt auf einen Schlag, zumindest ab Januar 2022 und bei Zukauf sofort, höhere Kosten veranschlagen und müssen ihrerseits ihre Kosten über höhere Preise/Honorare auf den Endkunden weitergeben. Für die Privatkunden von Hetzner-Online wird es einfach schlagartig teurer.

Wenn eine zusätzliche Einzel-IP die letzten 11 Jahre 1,00 € im Monat gekostet hatte und keine Setupgebühren anfielen, jetzt aber der Preis um 102% auf 2,02 € plus 22,61 € anfallen, dann sind das jetzt statt 12 € im Jahr stattliche 46,85 €. Effektiv kostet diese zusätzliche IP im ersten Jahr monatlich 3,90 €, im zweiten Jahr 2,96 € und im dritten Jahr 2,64 €. Wenn die zusätzliche IP-Adresse nur vier Monate benötigt wird, dann kostet sie effektiv monatlich sogar 7,67 €. Das sind Preiskalkulationen, die man durchaus als skandalös bezeichnen darf. Und diese Rechnung kann man für alle anderen IPv4-Produkte wie "/29-IP Subnetz", "/27-IP Subnetz", "/24-IP Subnetz" etc. anwenden und wird auf ähnlich exponentielle Preissteigerungen treffen.

Dass IPv4 veraltet ist und aufgrund der begrenzten Anzahl von IP-Adressen gegenüber der Anzahl bei IPv6 ist bekannt und führt sinngemäss zu höheren Preisen. Das ist soweit auch in Ordnung. Aber jetzt plötzlich Einrichtungsgebühren einzuführen für etwas, das jahrlange keine Einrichtungskosten verursacht hatte, weil diese ohnehin zu minimal sind, um sie auf den Kunden umzuschlagen, das ist skandalös. So auch die Begründung von Hetzner dazu
"Die Preise für IPv4-Netze werden in Zukunft voraussichtlich exponentiell steigen. Es wird wahrscheinlich eher ein schneller und starker Anstieg sein, als ein langsamer und schrittweiser. Die Einrichtungsgebühren werden uns helfen, die gestiegenen Preise zu decken, die wir selbst für Netze zahlen müssen."
Man verwendet also lieber einen Trick, um die tatsächliche Preiserhöhung auf den ersten Blick beim Kunden zu verstecken. Denn das heißt nichts anderes, als was meine oben durchgeführte Kalkulation offengelegt hat, nämlich wirklich heftige Preiserhöhungen bei IPv4-Adressen.

Dabei wäre innovatives Denken in Sachen IPv6 bei Hetzner Online angebrachter gewesen als das hier
"Wie viele andere Unternehmen hatten wir die Umstellung unserer Infrastruktur und Produkte auf IPv6 aufgeschoben, weil die Nachfrage - bis vor kurzem - relativ gering war."
Es fehlen Konzepte, HowTos und Dokumentationen bei Hetzner, die jedem Kunden den schnellen Umstieg auf IPv6 ermöglicht hätten. Auch bleibt Hetzner seinen Kunden die Transparenz schuldig. Denn wieviel zahlt Hetzner tatsächlich für die angebotenen IPv4-Produkte und wie hoch ist der Mehrwert, denn es weiter gibt? Vielleicht ist das ja das eigentliche Konzept Hetzners, die Gewinnsteigerung via IPv4-Knappheit bei gleichzeitige aufgeschobene Umstellung der Infrstruktur auf IPv6.

Die Hetzner-Kunden sind gut bedient, wenn sie jetzt ihre Systeme auf IPv6-Adressen umstellen und bestehende IPv4-Adressen und Subnetze wieder abgeben. Somit würde Hetzner auf den Einkaufkosten der IPv4-Adressen sitzenbleiben und langfristig weniger einkaufen, was wiederum dazuführen könnte, dass IPv4-Adressen sich nicht weiter verteuern würden.