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Das Warum der Direktbeauftragung

Immer mehr Unternehmen verlassen sich auf Pesonaldienstleister und Recruiter, wenn sie auf externe Dienstleister und Experten zurückgreifen müssen, als den direkten Draht zu dem Experten mit direkter Beauftragung zu suchen.

Dabei gehört es zu den Aufgaben eines Recruiters Stellenausschreibungen zu verfassen, Bewerbungen zu prüfen, geeignete Kandidaten auszuwählen sowie Vorstellungsgespräche zu führen und teilweise auch Konditionen für die Anstellung zu verhandeln.

Exakt das kann nicht funktionieren, zumindest funktioniert es nicht so gut, wie wenn der Kunde und der Experte als Auftragnehmer sich direkt begegnen. Warum ist das der Fall?

Meine Erfahrungen mit Recruitern zeigen immer wieder das gleiche Schema. Hier wird nur Verwaltungsarbeit geleistet. Meistens sind nur ein Budget gegeben zusätzlich mit Skills und Anforderungen, die die Experten liefern sollen. Das kann im Prinzip jeder abarbeiten, auch spezielle Software kann so Profile abscannen. Natürlich ist das zweckdienlich für eine kostensparende und gewinnbringende Arbeitsweise der Recruiting-Unternehmen.

Nebenbei möchte ich die Kontaktaufnahmen erwähnen, die alleine für sich genommen es in sich haben. Meistens erfolgt ein Telefonanruf bei dem der/die RecruiterIn einfach loslegen, "Ich habe ein ganz spannendes Projekt für Sie!". Bislang hatte keiner jemals die Frage gestellt, ob man stören dürfte oder ob man später anrufen dürfe. Oder in Mails wird auch meistens davon ausgegangen, dass man die Recruiter dringend benötigt. Kurz, es ist einfach nur purer Stress.

Ärgerlich ist das jedoch sowohl für den eigentlichen Auftraggeber und für uns Experten. Ich betrachte das mal stellvertretend für meine Branche, der IT-Dienstleister.

Nehmen wir einmal diese Ausschreibung:

Datenbankentwickler- und administrator gesucht (MariaDB/MySQL) - überwiegend Remote

Hallo zusammen,
Wir suchen einen Datenbankspezialisten (m/w/d), der sich um die Administration und Weiterentwicklung der bestehenden Datenbanksysteme kümmern soll.

Must-have:
- Expertenwissen in der Entwicklung und Administration von Datenbanksysteme, insbesondere MariaDB/MySQL
- Python + Erfahrung im Schreiben von Skripten
- Erfahrung mit Datenbankreplikation
- tiefgehende Linux-Kenntnisse

Nice-to-have:
- Kenntnisse in Bash
- Erfahrung mit der Analyse von Daten (Datenauswertung)“

So etwas ist im Prinzip eine einzige Katastrophe, um einen IT-Experten zu beauftragen, denn das kann alles heißen und ist somit extrem ungenau. Im Prinzip heißt das, der Recruiter weiß selber nicht, was sein Kunde eigentlich will. Das fängt bereits bei dem Must-have an. Ich als Experte will als Erstes wissen, worin denn die Weiterentwicklung der bestehenden Datenbanksysteme bestehen soll. Soll ein komplettes Datenbanksystem erneuert oder migriert werden oder sollen bestehende Datenbanken anders moduliert werden, weil sich inhaltliche Anforderungen verändert haben? Nur um zwei Eventualitäten zu nennen.
Auch die Anforderung zum Skripten hat wohl jeder IT-Experte, der Linux-Systeme administriert. So gesehen ist die Erwähnung der Bash (Bourne Again Shell) unsinnig, zumal die unter Linux nahezu zum Standard gehört - Linux ohne Bash, ksh etc. gibt es definitiv nicht.
Tiefgehende Linux-Kenntnisse wird ebenfalls nicht weiter vertieft. Worin sollen die denn liegen? Mehr in der Bedienung der Shell oder bereits im Tunen der Performance oder Absicherung eines Linux-Systems?
Und dann haben wir noch den netten Wunsch nach der Erfahrung in der Analyse von Daten. Das ist bereits eine Wissenschaft für sich, wo sich der Recruiter nicht auf eine spezielle Methode, Herangehensweise festlegen kann.

Der Personaldienstleister, der diese Ausschreibung verfasst hat, zeigt bereits mit seinen Formulierungen, dass er absolut nichts über das weiß, worin er vermitteln soll. Entsprechend wird seine Suche und sein Ergebnis sein, weil weder er noch eventuell angesprochene Kandidaten können richtig ermessen, ob dieses Projekt mit den jeweiligen individuellen Voraussetzungen umsetzbar wäre.

Anders wäre die Herangehensweise des IT-Experten selber, wenn derselbe Kunde nicht über den Personaldienstleister gehen würde, sondern direkt den IT-Experten kontaktiert. Vielleicht wären in der ersten Kontaktaufnahme die Informationen immer noch relativ mager, weil diesen Job eher der Einkauf oder weniger fachspezifische Mitarbeiter machen. Aber immerhin würde ich als IT-Experte bereits die richtigen Fragen stellen, um zu erfahren, was mein Kunde denn konkret möchte. Notfalls wäre der Weg zu den anfragenden Experten bei dem Kunden in der EDV bereits sehr viel kürzer als mit einem Recruiter, zumal ich bereits in dieser Phase mit ihnen selbst sprechen könnte.

Jetzt sähe die Projektanfrage ganz sicher sehr viel besser aus und man könnte auch bereits sagen, worin man den Kunden gezielt unterstützen kann.

Eine solche Herangehensweise wird weltweit kein Personaldienstleister respektive Recruiter leisten können, denn dann könnten er oder sie den angefragten IT-Job selber erbringen. So gesehen ist immer der bessere Weg, das Unternehmen, das Bedarf an externen Spezialisten hat – in diesem Fall an IT-Experten aus dem Linux- und Datenbankumfeld – sucht selber im Internet nach den Experten und kontaktiert sie.
Das Argument, dass Personaldienstleister eben auch die gesamte Vertragsabwicklung und den Geldfluss von den beauftragenden Unternehmen fernhalten, würde ich nicht als Mehrwert ansehen, vor allem weil so betrachtet mindestens drei Vertragsparteien involviert wären. So gäbe es mindestens einen, wenn nicht sogar zwei latent Unzufriedende in dem Vertragskonstrukt.
Mehr Erfolg und Zufriedenheit auf beiden Seiten wird immer eine direkte Geschäftsbeziehung zwischen dem beauftragenden Kunden und dem IT-Experten geben.

Ein zwischengeschalteter Recruiter wird immer das Geschäftsziel seines Unternehmens im Auge haben, weniger das seiner Kunden, egal ob das der Projektgeber oder der IT-Experte ist. Hinzukommt das fehlende Fachwissen, um das Projekt richtig zu erfassen und dann zu beschreiben. Letzten Endes fehlt die richtige Herangehensweise, bei der Recruitierung. Denn nur nach den Skills und vergleichbaren IT-Projekten im CV zu suchen reicht nicht aus, vor allem wenn man die Fachsprache nicht verstehen kann.

Hier ist noch ein solches Beispiel, das es sich lohnt zu publizieren:

Hier haben wir wieder ein solches Recruiter-Verhalten. Meine allererste Frage ist, was dieser Recruiter genau unter Linux Engineering und Voice over IP verstehen will. Ich weiß es zwar, aber es fehlt gänzlich eine kurze Abgrenzung und Beschreibung, was genau die Tätigkeit sein soll. Wenig hilfreich sind die Angaben die Angaben an dieser Stelle über den Umfang des Endkundens. Warum stehen hier nicht auch noch am besten die aktuellen Wirtschaftsdaten des Unternehmens?

Und Know How in Python und Ansible, wozu? Was soll da exakt gemacht werden? Keine Angaben.

47 Minuten nach dem mageren Anwerbeversuch und 7 Minuten nach meiner kurzen und deutlichen Ablehnung eines Interesse, reagiert unser Recruiter, der nebenbei auch noch Geschäftsführer ist wie folgt:

Das ist ein typischer Recruiter und hier haben wir auch noch einen Geschäftsführer einer GmbH. Warum wedelt er mit einem Projektangebot, wenn er ohnehin sich innerhalb von 47 Minuten oder sogar 7 Minuten für jemanden Anderes entschieden hatte? Ich finde, das geht ein wenig zu schnell. Na ja, dann wären dann noch die Schreibfehler.
Es fällt weiter ins Auge, dass er angeblich sehr genau wüsste, was sein Kunde benötigen würde. Warum kann er es dann nicht kommunizieren? Irgendwie scheint er mit Absagen nicht souverän genug umgehen zu können. Also wieso sollte man mit jemanden langfristige Geschäfte machen, wenn bereits in den ersten Kommunikationsschritten ein mögliches Desaster in der Zukunft angekündigt wird?

Das ist einmal wieder typisch für diese Branche der Personaldienstleister und Recruiter. Möglichst alles bei sich bündeln und ja nichts abgeben vom Kuchen. Wenn der schon nicht das Zepter aus der Hand geben will, dann gilt das auch für uns IT-Experten. Und wozu braucht er eine Projektliste? Das geht auch sehr viel besser und anders.

Wenn ich Anfragen von Neukunden bekomme – wohl bemerkt nicht von Recruitern – dann will niemand eine Projektliste sehen. Eher schildert man das zu lösende Problem oder das was man gerne umsetzen will. Man hört sich meine Antworten an und antwortet mir auf mein Nachfragen, um das Anliegen besser greifbar zu machen. Meistens kommt dann noch die Frage nach einem Angebot und bestenfalls folgt dann zeitnah eine Beauftragung. Mein Zuhören, mein breites IT-Wissen, meine Lösungsansätze und mein Engagement überzeugen mehr innerhalb kurzer Zeit als eine mehrfach durchgelesene Projektliste oder ein CV.

So gesehen ist der Weg für alle Beteiligten eine sehr große Zeit- und Ressourcenverschwendung im Gegensatz zu der Direktbeauftragung. Mal ganz ehrlich welchen Mehrwert bietet mir als IT-Experten die Dienstleistung eines Recruiters oder dem Auftraggeber? Ich sage es einmal so: Solange ich im Direktkontakt mit dem Kunden sehr viel schneller an qualitativ bessere Informationen komme und sehr viel schneller die Entscheidungsprozesse sind, weil sie über weniger Personen transportiert werden, sehe ich keinen Mehrwert in Recruiter-Dienstleistungen. Ohnehin würde ich die vertragliche Bindung an eine Personalagentur, die gar nichts mit meinen Dienstleistungen zu tun hat, ausser Provisionen einzubehalten, als eine extreme Behinderung meiner Geschäftsprozesse ansehen.
Auch der Auftraggeber wird im Direktkontakt gewinnen. Zumal sich das Outsourcing der Personalabteilung aus der Perspektive der qualitativen Arbeitsleistung als Trugschluss erwiesen hat, denn die ausgelagerten Kosten entstehen jetzt bei einem anderen Unternehmen, das seinerseits die Kosten einsparen will. Und das geht auf Kosten der qualitativen Arbeit. Dann macht man dieselbe Arbeit doch besser wieder selber und ist zufriedener.
Stellt nur noch die Frage, warum das keinem Auftraggeber so bewusst wird. Vielleicht ist der Service der ausgelagerten Personaldienstleistungen mittlerweile zu einer Bequemlichkeit geworden.

Jedenfalls kann mich jederzeit in meinem Themenumfeld beauftragen und fährt damit schneller, günstiger und qualitativ besser als mit dem derzeitigen Standardweg über Vermittler.
Und an die noch verbliebenen Recruiter gerichtet: Beschränken Sie sich auf Ihr ursprüngliches Kerngeschäft der Zeitarbeit für Arbeitnehmer und platzen Sie nicht unangekündigt in die Arbeitszeit von Unternehmern in der IT-Branche rein. Mit diesem Verhalten stehlen Sie die Zeit, die man gerade für seine Kunden benötigt.